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Erhöhte Krebsrate in Samtgemeinde Bothel und Stadt Rotenburg (Nds)

Im Jahr 2014 wurde durch das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) festgestellt, dass in der Samtgemeinde Bothel (Landkreis Rotenburg/Wümme, Niedersachsen) für zwei Krebsarten eine erhöhte Krebsrate bei Männern zwischen 60 und 74 Jahren zu verzeichnen ist. Es handelt sich dabei um das Multiple Myelom (MM) sowie das Non-Hodkin-Lymphom (NHL).

Im Juni 2015 stellte sich zudem heraus, dass in Bereichen rund um die Samtgemeinde Bothel derartige Häufungen noch im Stadtgebiet Rotenburg auftreten. Auffällig sind dort die Krebsarten MM und Leukämien bei älteren Männern.

Für die anderen untersuchten Gemeinden hingegen wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.

Die EKN-Berichte treffen keine Aussage zu Ursachen. Daher haben die Behörden im Nachgang der EKN-Berichte etwa 7000 Fragebögen versandt, etwa 4.500 davon zurück erhalten, diese ausgewertet und Interviews geführt, um die Einzelfälle näher zu erkunden. Betrachtet wurden dabei verschiedene Emissionsquellen, u.a. die Erdgasförderung, Gärtnereien, die Holzindustrie, die Metallindustrie, Bohrschlammgruben etc. Die Untersuchung beschränkte sich dabei auf die Samtgemeinde Bothel.

Ergebnisse

Am 27. April 2017, wurden in Rotenburg die Ergebnisse der seit 2014 laufenden Untersuchungen zu den erhöhten Krebsraten in der Samtgemeinde Bothel vorgestellt. Auch wenn die mediale Berichterstattung dies nicht vermuten lässt: Die Aussagen zur Erdgasförderung sind deutlich:

„Keine Unterstützung der These, Erdgasförderanlagen könnten Einfluss haben auf erhöhte Krebsinzidenz.“ „Keine Bestätigung für die Erdgasfelder als Ursache.“

Damit bestätigt sich, was von Fachleuten schon frühzeitig vorausgesagt worden war und was wir selbst gegenüber Politk und Medien stets deutlich gemacht haben: Unsere Förderaktivitäten sind für die erhöhten Krebsfälle nicht verantwortlich.

Des Weiteren führt das Gutachten aus:

  • Es finden sich keine Hinweise, dass Freizeitaktivitäten ursächlich sein könnten.
  • Die Hausbrunnen wurden untersucht und sind unauffällig.
  • Bei der Holzverarbeitung zeigen sich Auffälligkeiten, diese sind aber nicht signifikant.

Als mögliche Quelle kommen laut Gutachten drei so bezeichnete Bohrschlammgruben in der Region in Frage. Auch diese sind allerdings nicht signifikant.

Trotz eines nur vagen statistischen Hinweises empfiehlt das Landesgesundheitsamt die Durchführung einer niedersachsenweiten Studie.  Zur genauen inhaltlichen Fragestellung der Studie könne man jedoch noch nichts sagen, ebenso nicht zum zeitlichen Ablauf.

Könnte Bohrschlamm die Ursache sein?

Es sprechen gewichtige Gründe gegen einen Zusammenhang mit historischen Bohrschlammgruben. So sind zwei der drei im Gutachten betrachteten Gruben keine Bohrschlammgruben, sondern solche, die in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinde betrieben worden sind. Sie enthalten beispielsweise Haus-, Sperrmüll, Altreifen oder Bauschutt.

Selbst wenn es sich um solche Bohrschlammgruben handelt, in denen sich auch Stoffe befinden, die als krebserzeugend klassifiziert sind (was noch nicht heißt, dass sie auch typischerweise die beiden spezifischen Krebsarten auslösen), bedarf es für eine Erkrankung einer entsprechenden Exposition, d.h. die Erkrankten müssten diese Stoffe in der erforderlichen Menge aufgenommen haben. Dies ist aber über keinen der denkbaren so genannten Wirkungspfade vorstellbar: Die erforderliche Aufnahme etwaiger relevanter Stoffe durch den Menschen ist weder über die Luft, das Wasser noch den Boden erklärbar.

Auch befinden sich beispielsweise in den Gemeinden, in denen es nachweislich keinerlei erhöhte Krebsraten gibt, gleichwohl Bohrschlammgruben.

Insofern ist ein Zusammenhang nach menschlichem und wissenschaftlichem Ermessen auszuschließen.

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