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Sprachausgabe

28. Sept. 2015

Schaut nach Celle!

Ulrike Schopp

Wer der Fracking-Debatte hierzulande immer noch nicht müde ist und wie ich noch immer daran glaubt, dass die Diskussion sich lohnt, der sollte einen Blick in die Wiege der deutschen Erdgas- und Erdölförderung werfen: nach Celle. Nicht nur, weil ich und viele andere Kollegen dort aufgewachsen sind (obwohl es sich lohnt, Celle ist wirklich, wirklich schön!). Sondern weil kein anderer Ort so sehr belegt, welche Bedeutung die heimische Erdöl- und Erdgasindustrie sich über die letzten Jahrzehnte erarbeitet hat. Die vermutlich weltweit erste Erdölbohrung fand im Raum Celle statt, noch bevor im „Wilden Westen“ der Ölrausch ausbrach. Nicht Texas, sondern Wietze bei Celle ist die Wiege der weltweiten Erdölförderung. Vor wenigen Jahren feierte die Branche ihr 150-jähriges Bestehen. Wo? Natürlich in Celle. Nicht ohne Grund: Hier bündelt sich das Know-how, viele Firmen sind ansässig, die weit über die niedersächsischen und deutschen Grenzen hinaus bekannt sind. Jeder 3. Arbeitsplatz in Celle hängt an dieser Industrie. Kaum jemand hier ist nicht mit jemandem verwandt oder bekannt, der für die Erdöl- und Erdgasbranche tätig ist. Und heute? Fast jeder kennt jemanden, der von Kurzarbeit oder Entlassung betroffen ist. Weil der Fortbestand einer ganzen Branche und damit letztlich einer ganzen Stadt bedroht ist. Je länger Politik zögert und zaudert, endlich eine Entscheidung darüber zu treffen, ob man einer Industrie den Garaus machen will oder nicht, desto mehr Familien sind betroffen. Ehemals gut bezahlte, hoch angesehene Kollegen stehen auf der Straße. Und einer Stadt wie Celle droht ein Fiasko. Schaut hin, schaut nach Celle!

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