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Sprachausgabe

28. Aug. 2015

Zahlenspiele

Ulrike Schopp

Immer wieder begegnet uns der Vorwurf, wir würden doch eine ganze Menge Aufwand betreiben um Schiefergas in Deutschland salonfähig zu machen, dabei seien die Mengen hierzulande doch wirklich marginal. Klar, im Vergleich zu anderen Regionen der Erde verfügt Deutschland nicht über eines der weltgrößten Potenziale – aber die Größenordnung ist dennoch erheblich. Nimmt man an, dass von dem tatsächlich vorhandenen Erdgas im Schiefergestein nur 10 Prozent überhaupt gefördert werden könnten, so geht die zuständige Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe von einem Potenzial von bis zu 2.300 Milliarden Kubikmetern Schiefergas aus. Ist das viel? Und ob! Im letzten Jahr sind hierzulande 9 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert worden. Anders herum: Das Potenzial allein im Schiefergas ist mehr als 250 mal größer als die heimische Jahresproduktion. Andere Rechnung: Deutschland hat im letzten Jahr 84 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Das Schiefergaspotenzial ist bis zu 27 mal so groß. Rechnet man noch die weitere über Fracking zu erschließenden Vorkommen hinzu, heißt das: Bis zu 35 Jahre reichen die heimischen Erdgasvorkommen, um Deutschland komplett mit Erdgas zu versorgen. Das sind pure Zahlenspiele, natürlich, denn niemand geht davon aus, dass Deutschland sich innerhalb weniger Jahre vollständig von Importen loslösen würde. Dennoch: Die Größenordnung ist beeindruckend. Die Frage ist also: Lassen wir das Potenzial liegen und importieren künftig 100% des benötigten Erdgases aus dem Ausland – oder schauen wir zumindest einmal genauer hin? Für mich spricht viel dafür, dass ein Land, das einen Rohstoff oder ein Produkt verbraucht, es soweit möglich auch selbst fördert. Für Obst und Gemüse erscheint uns das selbstverständlich, nur bei Erdgas soll das anders sein?

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