Zum Hauptinhalt springen
Suche

Sprachausgabe

26. Nov. 2014

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Manchmal hat die Debatte rund um Erdgasförderung und Fracking fast schon komische Züge. Wie aus einem Köcher werden die Gegenargumente gezogen, gerade so wie es passt. Erstes Argument: Alles viel zu gefährlich. Da wird aus einer seit den 1940er Jahren erfolgreich angewandten, hochentwickelten Technik nicht nur eine Risikotechnologie, sondern – natürlich – eine Hochrisikotechnologie. Klingt dramatischer, auch wenn keine ernstzunehmende wissenschaftliche Studie dafür einen Anhalt bietet. Und so kommt häufig – quasi vorsorglich – das nächste Gegenargument um die Ecke: Wir brauchen dieses Gas doch gar nicht. Blöd nur, dass Erdgas auf lange Sicht einer der wichtigsten Energieträger im deutschen Energiemix ist und es irgendwie ja auch nur halb überzeugend klingt zu sagen, dass es eine kluge Idee wäre, den Erdgasbedarf ausschließlich aus Importen zu decken. Aber glücklicherweise gibts ja noch das „Da ist ja gar nichts“-Argument. Da behauptet die Industrie doch tatsächlich, Deutschland habe ein großes Erdgaspotenzial, wenn sie aber doch noch gar nicht nachgeschaut hat? Und wenn auch das noch nicht als Argument zündet (weil womöglich jemand um die Ecke kommt, der die Frage stellt, warum man die Industrie denn dann nicht einfach auf eigene Kosten nachschauen lässt), dann bleibt – puh – immer noch das Argument, was nun wirklich greift: Das ist für die Industrie viel zu teuer, das lohnt sich in Deutschland nicht. Ah ja. Ist das eigentlich dieselbe Industrie der man immer vorwirft, alles nur aus Profitgier zu tun? Und dann können die keine klugen Investitionsentscheidungen treffen? Ich scheue keine vernünftige Debatte um die Frage, wo die Industrie besser werden kann. Aber bei dem einen oder anderen Gesprächspartner werde ich den Eindruck nicht los, dass da eine gehörige Portion „Basta“ im Spiel ist. Oder um es mit Christian Morgenstern zu sagen: „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf!“

Schließen