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Sprachausgabe

23. April 2015

„Ja und? Sie nicht?”

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Kürzlich nahm ich an einer ziemlich engagierten Gesprächsrunde teil. Zu viert diskutierten wir über die aktuellen Gesetzentwürfe im so genannten „Regelungspaket Fracking“. Ausschlussgebiete ja oder nein? Expertenkommission oder lieber Bundestagsvotum? Muss es immer eine vollumfängliche Umweltverträglichkeitsprüfung sein und wo genügt ein abgestuftes Verfahren? Kurz: Es ging ins Detail und die Argumente in die Tiefe. Eigentlich eine gute Diskussion. Bis sich das Gespräch plötzlich um etwas ganz anderes drehte und wir das Themenfeld Erdgas völlig verließen. „Ach, Sie sind doch Lobbyistin.“ meinte einer der Gesprächspartner und schaute mich herausfordernd an. Nun ist es manchmal meine Art, spontan zu reagieren und so sagte ich das, was mir auf der Zunge lag: „Ja und? Sie nicht?“ Sie können sich denken, wie harmonisch das Gespräch weiterging. Aber unabhängig davon: Was ist so verkehrt daran, seine Interessen und Sichtweisen zu vertreten? Warum sollten Unternehmen nicht dasselbe Recht haben, sich in den politischen Prozess einzubringen, wie jeder andere auch? Darf ich nicht mit Politikern reden, nur weil ich ein Unternehmen vertrete? Ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter unmittelbar von der aktuellen Debatte betroffen sind? Sind die organisierten Kritiker nicht auch Lobbyisten? Es gehört doch zum demokratischen Prozess, dass jeder (vermeintlich) Betroffene seine Stimme erheben und seine Position erläutern kann. Wer glaubt, Unternehmen hätten es da leichter als andere, der täuscht sich. So, und jetzt lobbyieren wir ein wenig weiter. Bald ist schließlich die 1. Lesung im Bundestag.

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