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Sprachausgabe

22. Sept. 2015

„Ganz, ganz falsch!?”

Ulrike Schopp

Neulich wieder in halb-privater Runde: Kaum kommt mein Job zur Sprache, gehts wieder hoch her. Phase 1: Fragen. Dieses Fracking, Ulrike, brauchen wir das denn? Und warum? Und ist das nicht gefährlich? Geduldig beantwortete ich alles, dann Phase 2: gute Ratschläge. Wie üblich in drei Fraktionen: Fraktion 1 erklärt mir, dass wir doch den „Schuss nicht gehört“ hätten, man müsse schließlich in Erneuerbare investieren, da liege die Zukunft, wir machten das mit den Fossilen doch ganz, ganz falsch. Ich verweise kurz auf den Unterschied zwischen gewünschtem Energiemix und der Realität. Schon meldet sich Fraktion 2: Genau, ganz, ganz falsch. Ihr müsst das den Leuten mal erklären. Die haben ja gar nicht die richtigen Informationen. Da müsst ihr mal Dialog machen. Ich komme nur kurz dazu von InfoDialog, website, Besichtigungen, InfoMärkten & Co zu berichten, da ergreift Fraktion 3 das Wort: Wirklich, ihr macht das ganz, ganz falsch. Ihr müsst mal richtig Dampf machen, setzt eure Rechte doch mal gerichtlich durch, wenn ihr immer nur auf Konsens macht, werdet ihr wie der Tanzbär durch die Manege geführt. Aha. Und was wäre passiert, wenn wir tatsächlich geklagt hätten? Hätte das unsere Position verbessert?

Ich mag Diskurs, ich finde es spannend, gerade bei so kontroversen Themen. Aber ich wundere mich schon, wie oft uns mangelnder Durchblick unterstellt wird. Für die derzeitige Fracking-Debatte gibt es sicher keinen Königsweg, es stoßen so viele unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse aufeinander, die es nach Möglichkeit zu vereinen gilt. Und das nicht nur kurz- sondern langfristig. Da hilft es nicht, kopf- und sinnlos zu agieren. Das wäre auch wirklich ganz, ganz falsch.

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