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Sprachausgabe

22. April 2013

Die Sache mit den Vergleichen

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Die Zusammensetzung der Frac-Flüssigkeiten ist in den vergangenen Monaten das zentrale Thema bei der Diskussion um die Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Fracking gewesen. Dass dabei mindestens 95 bis teilweise weit über 99 Prozent der Flüssigkeit nichts als Wasser sind, spielt in der öffentlich Wahrnehmung eine untergeordnete Rolle. „Das gibt es doch gar nicht, da müsst Ihr mal Vergleiche bringen!“ So oder so ähnlich heißt es da mitunter aus dem Kreis von Fachleuten. Gesagt, getan. So zogen wir los und versuchten es mit verschiedenen Vergleichen: „Weitaus mehr Chemie als in der Frac-Flüssigkeit finden Sie in Waschmittel oder Shampoo.“ Richtig, aber das mit dem Waschmittel entscheidet ja jeder für sich selbst. Gut, nächster Vergleich: Zusammensetzung von Kopfschmerztabletten. Ja, auch richtig, aber sollte man ja auch nicht zuviel einnehmen. Nächster Versuch: Chlor im Schwimmbad. Chlor in Reinform ist giftig, aber jeder von uns ist schon in gechlortem Wasser geschwommen oder hat ein paar Schlucke davon getrunken. Ja, auch richtig, aber dann frackt doch mit Schwimmbadwasser. Es bleibt die Einsicht: Chemie findet sich überall im Alltag, sei es in Körperpflegeprodukten, Lebensmitteln oder bei der Aufbereitung von Trinkwasser. Aber allein das Wort Chemie löst bei vielen Unbehagen aus, da führt jeder Vergleich schnell zum Vorwurf der Verharmlosung, mag er noch so richtig sein.

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