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Sprachausgabe

19. Juli 2016

Am Flughafen

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Ich sitze am Flughafen und habe Zeit. (Zu) viel Zeit. Und so beobachte ich Leute. Mir gegenüber sitzt ein eher leger gekleideter Herr, Mitte 50, schätzungsweise. Typ Physiklehrer, denke ich (ich kenne mich familiär bedingt ganz gut damit aus). Eigentlich, so treiben meine Gedanken weiter, ein typischer Kandidat für eine Bürgerinitiative. Bestimmt einer, der sich gegen Fracking engagiert, vielleicht auch gleich ganz gegen Fossile. Genau, das passt: gut ausgebildet, Haus gebaut, Baum gepflanzt, Kinder aus dem Haus, was Gutes tun wollen. Ich frage mich, ob ihm eigentlich klar ist, dass ohne Fossile weder sein Flug möglich wäre, noch überhaupt der Bau des Flugzeugs. Und überhaupt: sein Handy könnte er dann auch abgeben, und der Sitz, auf dem er gerade gemütlich auf seinen Flieger wartet, der basiert auch auf Fossilen. Ungerecht ist das. Wir produzieren Rohstoffe für Sachen, die alle täglich nutzen, aber viele tun so, als seien sie entbehrlich. Ich bin kurz davor rüber zu gehen, um ihm mal die Welt zu erklären. Da steht er auf, kommt auf mich zu, und begrüßt mich: „Guten Morgen, Kollegin, sind Sie auch auf dem Flug nach Brüssel?“ Ups. Ach ja. Ein Kollege. Arbeitet schon viel länger in der Branche als ich. Ein richtig netter Kerl übrigens…

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