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Sprachausgabe

14. März 2016

Der Bier-Reflex

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Liebe Journalisten, ich hätte da eine Frage: Könnten Sie das mit dem Bier bitte auch bei Energiethemen machen? Das mit dem Reflex? Sie wissen nicht, was ich meine? Also gut: Vor wenigen Wochen erschütterte ein Skandälchen die Gazetten. Minute für Minute poppte von irgendwo eine neue Headline hoch: Glyphosat war im Bier gefunden worden. Kaum ein Medium ließ sich – geradezu reflexartig- diese Schlagzeile entgehen, mal mit mehr, mal mit weniger Pathos. Nicht weiter verwunderlich, sowas kennen wir selbst ja zur Genüge. Doch dann schien dem einen oder anderen bewusst zu werden, dass es um ihr Bier ging. Bier. Deutsches Bier. Des Lesers geliebtes deutsches Bier. Und so reflexartig wie noch Stunden zuvor das deutsche Reinheitsgebot in höchste Not geschrieben wurde, so schnell folgte nun reihum der Ruf nach Versachlichung:

Wieviel Institut steckt eigentlich in diesem „Umweltinstitut München“? Nicht so viel. Wieviel Bier müsste Mann/Frau eigentlich trinken, damit die Glyphosatspuren sich auswirken könnten? Ziemlich viel.

Alles berechtigte Fragen. Gut, dass auf den ersten Reflex der zweite folgte und die Kommentarspalten sich überschlugen in dem Bemühen, die Dinge zu objektivieren. Man möchte neidisch seufzen. Wäre das mit der Sachlichkeit nicht auch was für andere Themen? Sowas wie Fracking? Überhaupt: fossile Energie? Das gute deutsche Erdgas? Ich frag ja nur, weil bezahlbare, sichere, verfügbare Energie uns doch alle Tag für Tag was angeht… Aber ich weiß schon: uncool, da genügt vielen offenbar Reflex Nummer 1. Prost.

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