Zum Hauptinhalt springen
Suche

Sprachausgabe

9. Okt. 2015

Methacrylsäure-methylester – oder: Fracking im Knie

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Gut, dass ich Kollegen habe, die nicht wie ich Chemie in der 11. Klasse abgewählt, sondern das sogar studiert haben. Sonst hätte ich meiner Nachbarin neulich gar nicht erzählen können, dass sie mit einiger Wahrscheinlichkeit Fracking im Knie hat. Erstauntes Stutzen, aber ich bekam die Chance, meine frisch erworbenen Chemie-Kenntnisse loszuwerden. Und so erläuterte ich ihr, dass Kunstgelenke wie ihr künstliches Knie aus „MMA“, richtigerweise Methacrylsäuremethylester, bestehen (musste ich natürlich ablesen, wer denkt sich sowas nur aus?) und Basis dafür ist Kohlenmonoxid und Methanol. Beides wird auch aus Erdgas hergestellt. Und Fracking? Sie wissen schon: In jedem verbrauchten Kubikmeter Erdgas steckt immer auch Gas, das aus „gefrackten“ Bohrungen stammt. Das gilt auch für die rund 3 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die die chemische Industrie hierzulande jährlich als Rohstoff einsetzt. Rein rechnerisch deckt genau genommen die Menge Erdgas, die hierzulande dank Fracking gefördert wird, ziemlich genau den Erdgasbedarf der chemischen Industrie. Aber das nur nebenbei. Meine Nachbarin gab sich tief beeindruckt, und so setzte ich noch einen drauf: Dieses „MMA“ steckt übrigens auch in Dentalprothesen. „Lächeln dank Erdgas“ sozusagen. Da sagte sie dann erstmal nichts mehr.

Schließen