Zum Hauptinhalt springen
Suche

Sprachausgabe

9. Okt. 2012

Erdgas? Erdgas!

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Deutschland ist Vorreiter in Sachen Klimaschutz und Ausbau der Erneuerbaren Energien – und geht dafür manch mutigen Schritt, den andere Nationen scheuen. Aber auch hierzulande wird zunehmend erkannt, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt – jedenfalls nicht einfach so. Er muss produziert und transportiert werden. Der Wind weht mit Vorliebe im Norden. Scheint dafür im Süden die Sonne? Nein, so einfach ist es nicht, und wir lernen Stück für Stück, dass es nicht reicht, die Energiewende auszurufen.

Energiewende muss mit Leben gefüllt werden

Sie muss mit Leben gefüllt werden, bezahlbar bleiben, den – wenn auch sinkenden, so doch immer noch häufig unterschätzten – Energiebedarf unserer Industrienation decken, und dabei die Klimaschutzziele nicht aus dem Auge verlieren. Ein Mammutprojekt, das mancher Anstrengung bedarf und nach Entscheidungen verlangt. Ein Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernenergie wäre nicht vermittelbar, Kohlekraftwerke ohne Lösung des CO2-Problems sind keine Alternative, und für Gaskraftwerke fehlen die Investitionsanreize? Es ist populär und richtig, auf Wind und Sonne zu setzen, und Subventionen sind hier als Anschub nachvollziehbar und vermittelbar. Aber es wäre Augenwischerei, sich darauf zu verlassen, dass es den Erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren oder auch Jahrzehnten gelingen wird, den Energiebedarf ganz allein zu decken. Im vergangenen Jahr deckten die Erneuerbaren nach Analysen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen knapp 11 Prozent des Energiebedarfs. Das ist im internationalen Vergleich viel, aber selbst mit einigem Optimismus: Auch Deutschland braucht auf absehbare Zeit einen Energieträger, der nicht nur aushilft, wenn gerade einmal Windflaute herrscht oder die Sonne sich hinter Wolken versteckt. Wer soll es richten? Kernenergie nein, Kohle nein, Erdgas nein? Oder vielleicht doch?

Erdgas ist weit mehr als bloße Brückenenergie

Erdgas ist unter den Fossilen der Energieträger mit der weitaus besten CO2-Bilanz bei der Stromerzeugung, er braucht keine Subventionen und ist sowohl grundlastfähig als auch flexibel einsetzbar. Erdgas punktet damit sowohl beim Klimaschutz, als auch bei der Bezahlbarkeit und bei der Versorgungssicherheit. Und Erdgas ist im eigenen Land verfügbar, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schätzt allein das Potenzial an Schiefergas hierzulande auf bis zu 2,3 Billionen m³. Gemessen an der derzeitigen jährlichen Produktion von etwa 12 Mrd. m³ ist das ein immenser Schatz.

Deutschland wahrt seine Vorreiterrolle

Warum es dann nicht schneller geht? Weil wir in Deutschland immer ganz genau hinschauen, und das ist im Grundsatz auch gut so. Es gilt, das bestmögliche herauszuholen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch mit Blick auf den Umweltschutz. Über Risiken und Verbesserungspotenzial muss gesprochen werden, die Bevölkerung will eingebunden sein, widerstreitende Interessen bedürfen der Abwägung. Die nun veröffentlichten Gutachten und Studien (siehe hierzu unter Informations- und Dialogprozess, Umweltbundesamt, NRW) sind hier ein wichtiger Beitrag. Deutschland wahrt sich auch damit seine Vorreiterrolle und die Chance, die Energiewende auf die Beine zustellen. Dafür ist Erdgas unverzichtbar – und mir ist gerade unter Umweltgesichtspunkten jeder hierzulande geförderte Kubikmeter Erdgas lieber als ein importierter Kubikmeter.

Schließen