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Sprachausgabe

8. Sept. 2016

Die Zeitverschaffer

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Seit 40 Jahren erstellt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in ihrer Energiestudie Informationen und Hintergründe zu Energierohstoffen. Zu ihrer jüngsten Ausgabe dieses rohstoffwirtschaftlichen Beratungsinstruments wurde vor wenigen Tagen ein Fachbeitrag veröffentlicht. Und gleich zu Beginn wird der Finger in die Wunde gelegt: Zwar sei es Ziel der Energiewende, die fossilen Rohstoffe durch erneuerbare Energien zu ersetzen. „Doch noch decken Erdöl, Erdgas und Kohle rund 80 Prozent des Primärenergieverbrauchs.“ Ohne nachgeschaut zu haben: Das dürfte nicht viel anders sein als in all den vielen vorherigen Berichten auch. Die Fossilen tragen die Hauptlast der Energieversorgung. Gestern. Heute. Und auch noch für ein ziemlich langes Morgen. Wie lange dieses Morgen sein kann, ist naturgemäß spätestens durch die Endlichkeit der Rohstoffe begrenzt. Fossile sind nicht-erneuerbar. Irgendwann sind sie verbraucht. Dass das nicht längst eingetreten ist, wie zahlreiche Studien immer wieder ankündigten, liegt nicht so sehr daran, dass bisher unbekannte neue Bodenschätze entdeckt wurden. Sicher, auch das kommt vor. Vor allem aber liegt es am Technologiefortschritt. Die Industrie entwickelt ihre Technologien in rasantem Tempo weiter. Was vor einigen Jahren noch als visionär galt, zählt heute nicht einmal mehr zu den „unkonventionellen“ Vorkommen. Weit über zehn Kilometer lange Bohrungen erschließen Vorkommen, die noch vor wenigen Jahrzehnten unerreichbar erschienen. Ingenieurskunst schafft es seit Jahrzehnten, die statische Reichweite von fossilen Rohstoffen nahezu stabil zu halten. Diese Ingenieurskunst verschafft Zeit. Zeit, die die anderen Energieträger noch benötigen, um größere Teile der Energieversorgung zu übernehmen als sie heute in der Lage sind.

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