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Sprachausgabe

8. Juni 2015

Aus dem Nähkästchen

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Es gibt ja Menschen die glauben, wenn man als Mitarbeiter von „Energiemultis“ wie diesem hier am Morgen das Bürogebäude betritt, gibt man am Empfang sein (falls denn überhaupt vorhanden) Gewissen ab, knipst die Dollar-Zeichen in den Augen an und wandelt roboterartig durch den Arbeitstag, unaufhaltsam, rücksichtslos und profitgierig. Und was soll ich sagen: Es stimmt. Jeden Morgen erhalten wir hier unsere graue Einheitsuniform, versammeln uns dann auf den Fluren zum Appell und lassen uns vorsorglich nochmal das Gehirn waschen, damit auch wirklich nichts schiefgeht und irgendwelche Hirngespinste von der Welt da draußen Eingang in unser Arbeitsleben finden. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Wichtig nur: Den Schein wahren. Und so schleusen wir systematisch Kollegen in Gruppen ein, wo man uns nicht erwartet. Wir haben viele Kollegen, die Mitglieder in Umweltorganisationen sind, Mitglieder in diversen Bürgerinitiativen, Elternvertreter in Schulen und Kindergärten, aktive Mitglieder in der freiwilligen Feuerwehr oder Kollegen, die ehrenamtlich in karitativen Einrichtungen tätig sind. Wir geben uns große Mühe den Eindruck zu erwecken, als kämen unsere Kollegen aus der Mitte der Gesellschaft. Das klappt ganz gut, denn nur so können wir auch unsere gigantische Lobby-Maschinerie betreiben, um auch in Zukunft unserem üblen Treiben nachgehen zu können, damit auch bei Ihnen jeden Tag der Strom aus der Steckdose kommt, die Industrie wichtige Rohstoffe hat, mit der Möbel, Autoreifen oder Medikamente hergestellt werden können, Ihre Heizung läuft und Sie auf dem Gasherd Ihr Lieblingsessen kochen können. Ach nee, jetzt ist was falsch.

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