Zum Hauptinhalt springen
Suche

Sprachausgabe

8. April 2015

„Kein Gift in unserer Erde!“

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

Das dürfte die häufigste und zugleich plakativste Forderung sein, die Fracking-Kritiker sowohl an die Unternehmen, aber auch an die Politik richten. Und es klingt ja auf den ersten Blick auch bestechend logisch: Mutter Erde soll nicht gefährdet werden, das Trinkwasser sauber bleiben. Es hat sich mir noch nie erschlossen, warum es einige gibt die ernsthaft glauben, wir würden Mensch oder Natur gefährden wollen (aus Profitgier?). Aber ungeachtet dessen geht der Slogan in zweierlei Hinsicht an der Wirklichkeit vorbei. Entgegen einer offenbar landläufigen Vorstellung wird die Untergrund mit zunehmender Tiefe nicht etwa immer sauberer und reiner, im Gegenteil: In den Tiefen, in denen Erdgas vorhanden ist und wo also auch das Fracking-Verfahren zum Einsatz kommt, befinden sich von Natur aus eine Reihe von Stoffen, die eine Nutzung des dort vorhandenen Wassers als Trinkwasser ausschließen. Das ist insbesondere Salz, aber beispielsweise auch Benzol. Gift ist also bereits in der Erde, ganz ohne dass die Industrie eingreift. Die für das Fracking-Verfahren eingesetzte Flüssigkeit hingegen ist gerade nicht giftig. Sie hat einen so großen Wasseranteil, dass sie nach dem Chemikalienrecht nicht einmal kennzeichnungspflichtig ist. Für das zurzeit stark diskutierte Schiefergas sind wir darüber hinaus einen erheblichen Schritt weiter: Es stehen Flüssigkeiten zur Verfügung, die nicht nur wegen des Wasseranteils von 99,8 Prozent nicht giftig sind, auch die verbleibenden 0,2 Prozent enthalten keinerlei Stoffe mehr, die giftig oder umweltgefährlich klassifziert sind. Es wird also keinerlei Gift eingesetzt. Trotzdem bin ich sicher: Der Slogan wird uns weiter begleiten. Der „brennende Wasserhahn“ hat ja auch viele Jahre Karriere gemacht, auch wenn er mit Fracking nichts zu tun hatte.

Schließen