Zum Hauptinhalt springen
Suche

Sprachausgabe

4. Juni 2015

Wer kann noch Schiefergas?

Olaf Martins

Olaf Martins

Weltweit wird der Erfolg der Erdgasförderung aus Schiefergestein mit den USA in Verbindung gebracht. Zu recht. Denn dort wurde innerhalb weniger Jahre die heimische Förderung stark ausgeweitet. Mittlerweile brauchen die USA keine Erdgasimporte mehr. Und die Preise für das heimische Erdgas liegen deutlich unter dem europäischen Niveau. Entsprechend fließen jetzt insbesondere im Chemiebereich signifikante Investionen in die Vereinigten Staaten. Dank des Gas Booms sind in den vergangenen fünf Jahren rund 400 neue Industrieprojekte entstanden, wie Ernest Monitz, US Energieminister, kürzlich in einem Interview mit DIE ZEIT betonte.

Kein Wunder, dass einige Länder jetzt schauen, ob und wie man diesen Erfolg der USA zumindest teilweise kopieren kann. Insbesondere in Argentinien und in China werden große Vorkommen vermutet. Und natürlich ist man deshalb dort besonders aktiv. Laut Medienberichten werden für China Demonstrationsprojekte in einer Region geplant, die insgesamt der Größe der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Und Deutschland? Seit 1859 wird in Deutschland nach Öl gebohrt. Seitdem hat es allein in Niedersachsen im Durchschnitt zwei Öl- bzw. Gasbohrungen pro Woche gegeben. Seit 1961 wird in Deutschland im dichten Gestein auch gefrackt. Mittlerweile stammt ein Drittel der heimischen Förderung aus gefrackten Bohrungen. Auch Deutschland hat ein großes Potential an Schiefergas. Und da wollen wir jetzt aufhören zu bohren und zu fracken, jetzt, wo wir es brauchen, wo mittlerweile jeder zweite Haushalt mit Erdgas heizt? Obwohl wir mehr Erfahrungen haben als viele andere Länder?

Obwohl all die Expertise bei uns in Deutschland sitzt – all die Expertise, die jetzt auch in Argentinien und China gefragt ist? Meine Meinung: Das kann doch nicht sein. Es wird Zeit für „Schiefergas Made in Germany“.

Schließen