Zum Hauptinhalt springen
Suche

Sprachausgabe

2. Nov. 2015

“Sorgen und Ängste ernst nehmen”

Ritva Westendorf-Lahouse

Ritva Westendorf-Lahouse Media & Communication Manager

„Sie müssen doch mal die Sorgen und Ängste der Leute ernst nehmen!“ So machte sich neulich ein Anrufer gleich zu Beginn des Telefonats Luft. Ich gebe zu, ich hätte fast ein wenig gereizt reagiert, denn diesen Satz haben wir schon oft gehört – wie viele andere auch, die mit (vermeintlich) neuen Technologien wie Gentechnik, Nanotechnologie oder eben Fracking zu tun haben. „Und? Wie macht man das?“ fragte ich zurück – und es entspann sich wider Erwarten ein richtig gutes Gespräch. Was genau heißt eigentlich „Ernstnehmen“, und was müssen Unternehmen tun, damit ihr Angebot nicht wie ein Feigenblatt wirkt? Gibt man wissenschaftliche Studien in Auftrag, lässt der reflexartige Vorwurf, die Wissenschaftler seien ohnehin alle „gekauft“, nicht lange auf sich warten. Bietet man Diskussionsforen an, dann ist es dem einen zu viel, dem anderen zu wenig Information. Veröffentlicht man Daten, dann sind sie dem einen nicht detailliert genug, dem anderen schmeckt es nicht, dass sie technisch-wissenschaftlich gehalten und nicht in Laiensprache übersetzt sind. Das Patentrezept haben auch wir natürlich noch nicht gefunden. Wenn wir eines gelernt haben, dann dass man immer mehr machen kann und wir ganz verschiedene Angebote brauchen. „Und dann haben Sie natürlich immer auch die Leute, die wollen gar nicht überzeugt werden, die sehen in Ihnen sowieso nur den Inbegriff des Bösen“ meinte der Anrufer. Und noch bevor ich irgendwie politisch korrekt antworten konnte, brachte er es auf den Punkt: „Das mit dem Ernstnehmen ist eben keine Einbahnstraße.“ Danke für das schöne Gespräch!

Schließen