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Sprachausgabe

2. Sept. 2015

Alles immer schneller? Nicht im Energiemarkt!

Olaf Martins

Olaf Martins

Windparks an jeder Ecke, Solarpanels auf vielen Dächern: wer durch Deutschland fährt, denkt die Energiewende ist durch, das Thema ist erledigt – und reibt sich dann die Augen, wenn er die Statistik sieht. Im Jahr 2014 hat Wind zu 1,5 Prozent und Solar zu 1,1 Prozent geholfen, den deutschen Energiebedarf zu decken.

Woran liegt das? Zum einen natürlich an dem, was Experten oftmals ‚Dunkelflaute‘ nennen, die Tatsache, dass Windkraft bei Windstille nicht liefert und Solar bei Nacht auch nicht. Zum anderen liegt es aber vor allem daran, dass grundlegende Veränderungen viel Zeit brauchen (oder man schneller älter wird als man denkt…).

In einem aktuellen Artikel für das Wall Street Journal verdeutlicht das der amerikanische Pulitzerpreisträger Daniel Yergin: Die Dampfmaschine bewirkte die erste große Umwälzung im Energiemarkt. 400.000 Jahre hatte sich die Menschheit auf Biomasse wie Holz und Dung verlassen, um sich nun der Kohle zuzuwenden. Aber es dauerte noch 60 Jahre, bis sich die Kohle um 1900 herum einen Anteil von 50 Prozent am Energiemarkt erobert hatte.

Die moderne Ölindustrie begann 1859 und brauchte über 100 Jahre, um die Kohle zu überholen und auch der überholte Energieträger blieb ja zweiter und verschwand nicht vom Markt. Veränderungen im Energiemarkt brauchen ihre Zeit. Wir schauen zu Recht immer auf das Neue, müssen aber auch die Basis unseres Energiemarktes und unseres Wohlstands im Auge behalten. Und das sind in Deutschland mit einem Anteil von über 55 Prozent noch immer Öl und Gas. Insbesondere Erdgas wird wichtig bleiben, auch weil es wesentlich zum Erreichen der Klimaziele beitragen kann. Das sollte Grund genug sein, sich jetzt verstärkt wieder um die heimische Erdgasförderung zu kümmern.

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