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Sprachausgabe

2. Feb. 2015

Ein neuer Energieträger?

Klaus Torp

Klaus Torp Pressesprecher Hannover

Letzte Woche blätterte ich im Zug in der Kompakt-Ausgabe einer überregionalen Tageszeitung. Im Politik-Teil blieb ich beim Artikel „Trassenkampf – Die Wirtschaft rügt Horst Seehofers Blockade beim Netzausbau“ hängen. Achillesverse der Energiewende? Strom im Süden um 10 Prozent teurer als im Norden? EEG-Umlage in Nord- und Südumlage aufteilen? Heiß diskutierte Aspekte

Und dann staunte ich. Oben rechts neben einer Karte mit Windkrafträdern, Fotovoltaikanlagen, AKWs und Braunkohleabbau eine Box mit der Überschrift:

„Ein neuer Energieträger“

Hatte ich was verpasst? Nein. Es ging um den bewährten Energieträger Erdgas; hier in verflüssigter Form (LNG = Liquefied Natural Gas). Dieses Erdgas wird in Spezialschiffen über die Weltmeere transportiert, am Zielort dann wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und per Pipeline weiterbefördert. Zu Recht lobt der Verfasser dieses Erdgas: „…unter den fossilen Energieträgern als am wenigsten umweltbelastend.“ und „LNG wäre eine Möglichkeit, die Versorgung um einen weiteren Energieträger zu ergänzen und damit unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden.“

Völlig richtig: Bei Erdgas gibt es keinen „Trassenkampf“, da Deutschland bereits über ein leistungsfähiges Erdgastransportnetz verfügt. Die vorhandene Gasinfrastruktur stellt sicher, dass Erdgas mehr als 20 Prozent unseres Energiebedarfs deckt. Im Vergleich dazu: Wind und Fotovoltaik kommen zusammen auf rund 2 Prozent.

Erdgas ist flexibel, speicherbar und in flüssiger Form sogar pipelineunabhängig transportierbar. Die unter der Erde liegenden Pipelines versorgen z.B. fast die Hälfte aller deutschen Haushalte mit Erdgas und damit mit wohliger Wärme besonders in dieser Jahreszeit.

Egal ob gasförmig oder flüssig, Erdgas ist kein neuer Energieträger, sondern ist heute und auch noch für Jahrzehnte eine wichtige Säule der deutschen Energieversorgung.

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