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InfoDialog Fracking

Von April 2011 bis April 2012 erarbeitete ein unabhängiger Expertenkreis mit dem wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Dietrich Borchardt in kontinuierlicher Diskussion mit gesellschaftlichen Akteuren aus den betroffenen Regionen erstmalig einen umfassenden wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Sicherheits- und Umweltfragen der Frackingtechnologie.

Auslöser für den InfoDialog Fracking

Was passiert bei der Erkundung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten? Wie sieht es mit der Sicherheit für Mensch und Umwelt beim Einsatz der Fracking-Technologie aus? Welche Chemikalien werden bei einem Fracking-Vorgang eingesetzt und wie wird der Trinkwasserschutz sichergestellt? Diese und viele weitere Fragen von Bürgerinnen und Bürgern waren für uns der Auslöser, den so genannten Informations- und Dialogprozesses (InfoDialog Fracking) zu initiieren. Im Rahmen dessen wurden zwischen April 2011 und April 2012 mögliche Risiken und Umweltauswirkungen des Fracking-Verfahrens durch unabhängige, hochrangige Wissenschaftler untersucht.

Wie wurde die Neutralität des Expertenkreises sichergestellt?

Im Zentrum des Informations- und Dialogprozesses stand der Neutrale Expertenkreis unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg. Dieser wählte die Experten zu den einzelnen Fragestellungen aus und koordinierte das Arbeitsprogramm des Expertenkreises. Keiner der Experten hatte zuvor mit der Erdgasindustrie zusammengearbeitet. Dies ermöglichte eine distanzierte Behandlung offener Fragen und die unabhängige Erarbeitung des fachlichen Wissensstandes.

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Wie wurden die gesellschaftlichen Akteure im Prozess eingebunden?

Unterstützung erhielt der Neutrale Expertenkreis durch den Arbeitskreis der gesellschaftlichen Akteure. Der Arbeitskreis setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern von etwa 50 interessierten gesellschaftlichen Gruppen und öffentlichen Institutionen zusammen. Dazu zählten Vertreter von Kommunen, Wasserversorgern, Bürgergruppen, Kirchen, Landwirtschaft, der regionalen Wirtschaft und Gewerkschaften. Vertreter der Länder und der zuständigen Genehmigungsbehörden nahmen als Gäste teil.

Die gesellschaftlichen Akteure formulierten Fragen an den Expertenkreis und diskutierten deren Ergebnisse und Empfehlungen. Über das Internet oder bei öffentlichen Veranstaltungen konnten interessierte Bürger zusätzliche Diskussionspunkte in den Arbeitskreis einbringen. Die Fragen der Öffentlichkeit und der am Dialogprozess beteiligten gesellschaftlichen Akteure bildeten somit den Ausgangspunkt der Arbeit des Expertenkreises.

Struktur des InfoDialoges Fracking
Foto — Aufbau und Struktur des Info- und Dialogprozesses

Aufgaben und Ziele des Prozesses

Aufgabe des Neutralen Expertenkreises war die umfassende Betrachtung der Umweltauswirkungen und Risiken bei der Anwendung der Fracking-Technologie in unkonventionellen Erdgaslagerstätten. Um eine standortübergreifende Risikoabschätzung zu erreichen, mussten alle relevanten Dimensionen und Aspekte auf Basis der verfügbaren Erkenntnisse wissenschaftlich untersucht und zusammengeführt werden. Schließlich sollten Kriterien für die Beurteilung von Einzelstandorten bereitgestellt werden. Aufgrund der geringeren Tiefe der Formationen und mangelnden Fördererfahrung mit diesen Lagerstättentypen in Deutschland lag der Fokus der Beurteilung auf Schiefer- und Kohleflözgas.

Fragestellungen und Vorgehensweise

Drei Fragen bildeten den Ausgangspunkt der Untersuchungen und Arbeitsgruppen (AGs) des Neutralen Expertenkreises:

  • AG „Risiken im geologischen Bereich“: Untersuchung, ob und inwiefern beim Fracking Schadstoffe aus dem tiefen Untergrund nach oben gelangen können
  • AG „Toxikologie und Grundwasser“: Analyse des Gefahrenpotenzials der beim Fracking eingesetzten Stoffe
  • AG „Risiken im technischen System“: Betrachtung der Risiken bei technischen Vorgängen im Bohrloch, auf dem Bohrplatz und beim Transport.

Darüber hinaus wurden Fachleute hinzugezogen und weitere Gutachten vergeben: zur Abwasserbehandlung, zu den Auswirkungen auf die Landschaft, das Klima und die regionale Wirtschaft.

Transparenz durch Offenlegung

Dem Prinzip der größtmöglichen Transparenz folgend wurden Vorgehensweise und Zwischenergebnisse laufend und umfassend offengelegt:

  • eine Fachkonferenz
  • sechs Arbeitstreffen der gesellschaftlichen Akteure
  • neun Fachgespräche mit weiteren Experten und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen
  • einer wissenschaftlichen Statuskonferenz

Um die wissenschaftliche Qualität zu sichern, wurden zehn anerkannte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland hinzugezogen, die die Studie und die vergebenen Gutachten im „Peer Review“-Verfahren kritisch bewerteten. Hierbei handelt es sich um ein in der Wissenschaft übliches Verfahren, bei dem geprüft wird, ob die Ergebnisse der Arbeit nachvollziehbar sind und die Vorgehensweise der guten wissenschaftlichen Praxis entspricht.

Ergebnisse und Empfehlungen

Die innerhalb des Informations- und Dialogprozesses erarbeiteten Einzelgutachten wurden als „Risikostudie Fracking“ veröffentlicht. Die darin vorgelegten Ergebnisse und Empfehlungen wurden im Rahmen einer öffentlichen Abschlusskonferenz zum InfoDialog Ende April 2012 in Osnabrück vorgestellt. ExxonMobil hat bereits mit der Umsetzung der Empfehlungen begonnen und im November 2012, im Juni 2013 und im April 2014 Zwischenstände veröffentlicht und einen Ausblick gegeben.

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Zusammenfassung der Ergebnisse und Empfehlungen

  • Keine sachliche Begründung für ein generelles Verbot.
  • Technologie ist kontrollierbar, wenn entsprechend der Empfehlungen vorgegangen wird Risiken der Erdgasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten sind in vielerlei Hinsicht mit denen der herkömmlichen Erdgasförderung vergleichbar
  • Neuartige Risikobereiche:
    - Größere Anzahl erforderlicher Bohrungen (im Vergleich zur herkömmlichen Förderung)
    - Geringerer Abstand unkonventioneller Vorkommen zu trinkwasserführenden Schichten
  • Klare Priorität: Trinkwasser- und Gewässerschutz gehen vor Energiegewinnung
  • Ausschluss der Anwendung der Fracking-Technologie an bestimmten Standorten:
    - Gebiete mit tektonisch kritisch gespannten Störungen im Untergrund
    - Wasserschutzgebiete I und II; Heilquellenschutzgebiete
  • Voraussetzungen für einen flächendeckenden Einsatz der Fracking-Technologie:
    - Definierter Stand der Technik
    - Eine den neuartigen Risikobereichen angemessene rechtliche Basis
    - Weitere wissenschaftliche Erkenntnisse
  • Ermöglichung von vorerst zwei Arten von Vorhaben:
    - Erkundung der Lagerstätten
    - Betrieb einzelner Demonstrationsvorhaben
  • Weiterhin Einbeziehung von Wissenschaft und Öffentlichkeit

Viele Studien – große Übereinstimmung

Seit 2011 wurden einige wissenschaftliche Studien, Gutachten und Stellungnahmen veröffentlicht, die sich mit der Umweltverträglichkeit, Sicherheit und den Potenzialen von Fracking beschäftigen:

Alle Studien zeigen, dass es keinen sachlichen Grund für ein generelles Fracking-Verbot gibt. Vielmehr wird ein schrittweises Vorgehen bei der Erkundung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten empfohlen, angefangen mit Pilot- und Demonstrationsvorhaben unter enger Einbindung von Wissenschaft, Bevölkerung und Politik.

Studien, Gutachten und Stellungnahmen zum Thema Fracking
Foto — Studien, Gutachten und Stellungnahmen zum Thema Fracking 

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